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EMS-Therapie = Elektrotherapie 2.0
Das Interesse ist da, aber ...

EMS-Therapie = Elektrotherapie 2.0

Physiotherapeuten könnten mit ihrem Fachwissen, mit ihrer Expertise in diesem Markt, der derzeit im Fitnessbereich n aller Munde ist, auftrumpfen. Doch die wenigsten tun es.

Eine Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) sorgte Anfang des Jahres in mehreren Artikeln für Unruhe (siehe Seite 16). Es war über die Gefahren des EMS-Trainings zu lesen – zumindest hoben die Überschriften das plakativ hervor. Allerdings spielt die Meldung vor allen den Physiotherapeuten in die Hände!

Denn beim genauen Lesen kommt deutlich zum Ausdruck, dass sich der Pressesprecher der DGKN, Professor Dr. med. Stefan Knecht, Chefarzt der Klinik für Neurologie, St. Mauritius Therapieklinik, Meerbusch, gegen die Massenanwendung im Breitensport, gegen ein Training ohne Anleitung ausspricht. Hingegen betonte er ausdrücklich, dass ein Training beispielsweise mit einem ausgebildeten Physiotherapeuten an der Seite schon seit Jahren zum Muskelaufbau eingesetzt werde. Und das hat seine Berechtigung.

Diese Meinung teilt auch Thomas Beißwenger, Sport- wie Physiotherapeut, Heilpraktiker und Osteopath (MSc.). Er unterrichtet an der staatlichen Berufsfachschule für Sport- und Gymnastiklehrer und Physiotherapeuten in Waldenburg. Am Berufskolleg Waldenburg gem. e.V. werden EMS-Lehrgänge zur Fortbildung von Physiotherapeuten, Sporttherapeuten, Personal Trainer und EMS-Trainer angeboten, vor allem im Hinblick auf die Behandlung von spezifischen und unspezifischen Rückenschmerzen. THERA-BIZ traf Thomas Beißwenger auf der TheraPro.

THERA-BIZ: Herr Beißwenger, was unterscheidet EMS-Training im Fitness von dem in der Therapie?

Thomas Beißwenger: Der Unterschied besteht in der Intensität, in der Auswahl und Anlage der Elektroden und der Anpassung der Frequenzen. Zudem ist die Übungsauswahl in der Therapie individualisiert. Das Ziel der therapeutischen Maßnahme spielt eine ganz große Rolle, was wiederum von der Art des Beschwerdebildes des Patienten abhängt. Und damit bewege ich mich im Bereich des medizinisch-therapeutischen Fachwissens. Es geht also um die Risikoabwägung im täglichen Arbeiten. Im Fitnessmarkt ist es problematisch, dass Trainer oft ein zu geringes medizinischtherapeutisches Fachwissen besitzen, um wirklich mit einem Menschen, der Beschwerden hat, gut und sicher arbeiten zu können.

THERA-BIZ: Was meinen Sie mit Risikoabwägung genau?

Thomas Beißwenger: Ich kann in meiner Arbeit das Beschwerdebild, auch wenn es noch so minimal ausgeprägt ist, nicht ignorieren. Nach der therapeutischen Behandlung sollten Physiotherapeuten gegenüber den Patienten betonen, dass sie nicht uneingeschränkt belastbar sind. Die Therapeuten passen automatisch die Übungen an die Probleme der Patienten an. Dann ist das EMS-Training auch kein Problem. Und deswegen ist auch das Sporlastic- Physiocare-Modell so genial. Weil letztendlich der Patient auf seinem Weg zum Patientchen und danach zum Kunden optimal begleitet und unterstützt wird. Mein Lieblings begriff ist das „Patientchen“. Der Mensch, mit dem ich in der Praxis arbeite, ist nicht so „schlecht“ bzw. krank, dass ich ihn manuell behandeln muss, aber auch nicht so gut, dass ich ihn uneingeschränkt trainieren kann. Er hat sozusagen ein „Problemchen“. Als Therapeut betreue ich ihn im Optimalfall weiter und gehe danach in die Arbeit mit medizinisch-therapeutischem EMS über und in einer späteren Phase wird der Patient trainiert. Aber viele Physiotherapeuten wissen nicht, wie sie den Transfer von ihrem klassischen Arbeitsfeld Richtung Training hinbekommen. Das schaffen die Therapeuten häufig nicht. Das erleben wir immer wieder in unseren Weiterbildungen, leider.

THERA-BIZ: Helfen Sie dabei?

Thomas Beißwenger: Genau. Das Ziel unserer Schulungen ist, dass der Trainer und der Therapeut über seine klassische Befunderhebung und das Herunterbrechen des Befundes auf die wesentlichsten medizinischen Grundlagen lernt, schnell und effizient zu unterscheiden, habe ich einen Patienten, einen Kunden oder ein Patientchen vor mir. Habe ich einen Kunden, kann ich klassisches EMS-Training machen, kein Problem. Habe ich einen Patienten oder ein Patientchen, muss ich einschätzen können, was darf ich und was darf ich nicht. Wie gehe ich weiter strategisch vor, wenn ich das Problem herausgefiltert habe, sodass ich vom Akutfall bis zum fast Kerngesunden diese Menschen auf Basis meines Fachwissens weiterbeüben kann. Das ist der Ansatz, den wir verfolgen. Das vermitteln wir.

THERA-BIZ: Wen sprechen Sie mit Ihrer Fortbildung zum EMS-Therapeuten an?

Thomas Beißwenger: Interessanterweise kommen 60 Prozent aus dem nichttherapeutischen Bereich. Es sind EMS-Trainer, die sich weiterbilden und dazulernen wollen. 40 Prozent sind Physio therapeuten hauptsächlich aus der Orthopädie, Traumatologie und Neurologie und dann noch Gynäkologie. Das Bewusstsein der Phy sio therapeuten bzgl. EMS steigt in letzter Zeit definitiv.

THERA-BIZ: Und woher kommt dieses Bewusstsein?

Thomas Beißwenger: Ich denke, weil der Markt inzwischen sensibler geworden ist. Physiotherapeuten haben mittlerweile verstanden, dass der EMS-Markt durchaus eine Verdienstmöglichkeit bietet. Das ist ein Thema des 2. Gesundheitsmarkts. Ein Thema, auf das jeder Physiotherapeut versucht aufzuspringen. Und es ist ein extrem schnell wachsender Markt in der Fitnessbranche. Da werden selbst Therapeuten hellhörig. Wenn man dann in diesen „neuen Markt“ einsteigt, stellt man fest, dass es sich eigentlich vom Prinzip her um Elektrotherapie handelt. Elektrotherapie haben alle Therapeuten irgendwann einmal gelernt. Die Neugier, das Produkt einmal kennenzulernen, ist dann entsprechend groß. Das zeigten auch die letzten Messen wie die FIBO, therapie Leipzig und TheraPro. Das Interesse ist deutlich gewachsen, aber es herrscht noch eine hohe Unsicherheit.

THERA-BIZ: Wo liegen die Vorteile für Physiotherapeuten?

Thomas Beißwenger: Physiotherapeuten können mit EMS ein großes Kundenbedürfnis befriedigen, mit einem sehr geringen Aufwand an räumlichen, zeitlichen und personellen Voraussetzungen. Zudem hören wir in Weiterbildungen vor allem von den dienstälteren Kolleginnen und Kollegen: Ja, das ist ja super! Da muss ich nicht mehr so viel Handarbeit verrichten. Das spart mir Arbeitskraft! Bei jedem Physiotherapeuten, der lange Jahre im Beruf ist, beginnen sich nach und nach diverse Beschwerden wie beispielsweise Rückenschmerzen oder Handgelenksprobleme auszuprägen. Und jetzt haben sie ein Werkzeug an der Hand, das hilft, weniger Handarbeit verrichten zu müssen.

Aber dieses scheinbar neue Verfahren so für sich zu verinnerlichen, dass Physiotherapeuten sich trauen, damit Geld zu verdienen ... Auch das Wort „Verkaufen“ ist in der Therapie ja so ein böses Wort. Aber ich verkaufe ja nichts! Ich arbeite mit einer Maßnahme, die ich therapeutisch gelernt habe, die in der lokalen Anwendung wissenschaftlich begründet ist. Und jetzt habe ich plötzlich Angst davor, das Gerät in die Hand zu nehmen. Nur weil ich ein paar mehr Elektroden gleichzeitig ansetze, aber eigentlich das Gleiche mache – das verstehe ich nicht. Wenn ich gelernt habe, dass Strom positive Auswirkungen auf den Organismus hat, warum soll ich es dann nicht meinen Kunden empfehlen oder meinen Patienten sagen „Hör zu, das ist jetzt Ganzkörperstrom. Probier es mal aus. Ich bin dabei und betreue dich als Therapeut weiter.“?

Aber es gibt ebenso andere Abrechnungsmodelle. Sobald das Stromgerät ein Medizinprodukt ist, ist auch eine gerätegestützte Therapie möglich, d.h. ich kann eine Anwendung der EMS sogar in den Heilmittel katalog verpacken, wenn ich weiß, wie es geht. Da fehlt die nötige Kreativität in unserem Beruf. Die Frage des langfristigen wirtschaftlichen Nutzens stellt sich für mich nicht – er ist mit EMS größer als mit Heilmittelverordnungen.

THERA-BIZ: Stichwort Elektrotherapie – das ist doch nichts Neues?

Thomas Beißwenger: Eigentlich ist es ein alter Hut. Ganzkörper-EMS ist Elektrotherapie 2.0. 

THERA-BIZ: Und trotzdem diese Vorbehalte?

Thomas Beißwenger: In dieser Hinsicht war die therapie in Leipzig sehr interessant. Ich unterrichte ja auch Elektrotherapie bei uns in der Ausbildung. Jedes Mal, wenn ich mit Kollegen in den Fachaustausch kam, sagten diese: „Ich mache das nach einem Skript, das 20 Jahre alt ist, und kenne mich in dem Themengebiet nicht wirklich aus.“ Das heißt, die Elektrotherapie wird zwar nach Ausbildungs- und Prüfungsordnung gelehrt, aber nur in manchen Schulen so, dass man lernt, dieses Verfahren zielgerichtet einzusetzen. Und wenn ich mir als Therapeut unsicher bin, dann wende ich es in der Praxis nicht an.

Das Zweite ist, dass Ärzte kaum noch Elektrotherapie verordnen, weil in den letzten Jahren ganz wenige Studien dazu gemacht wurden. Drittens kommt noch das Argument vieler Therapeuten zu Tragen: „Na ja, für die knapp 5 Euro lohnt es sich ja gar nicht, die sollen lieber Fango aufschreiben. Da habe ich mehr davon.“ Damit verschenken Physiotherapeuten viel Potenzial, das sie aufgrund ihres Fachwissens eigentlich doch haben!

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Reinhild Karasek.

AUSZUG AUS DER PRESSEMITTEILUNG DER DGKN

Gefährliches EMS-Training: Neurophysiologen warnen vor Überbelastung und Nierenschäden ... Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bild gebung (DGKN) rät daher von EMS-Training im Breitensport ab: Die Methode sollte nur unter Anleitung ausgebildeter Sportmediziner und Physiotherapeuten zum Einsatz kommen. (...) In der Physiotherapie und im Hochleistungssport wird EMS schon seit Jahren zum Muskelaufbau nach einer OP oder längerer Bettlägerigkeit eingesetzt. Die Massenanwendung der Methode sei allerdings noch Neuland, sagt Professor Dr. med. Stefan Knecht, Chefarzt der Klinik für Neurologie, St. Mauritius Therapieklinik, Meerbusch und Pressesprecher der DGKN: „Während Ärzte und Physiotherapeuten in dieser Methode ausgebildet wurden, ist das Personal in Fitnessstudios aber oft nicht ausreichend geschult, um die Belastung richtig einzuschätzen.“



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