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Zeit investieren, um Prozesse zu optimieren
Eine neue App-Lösung für Physiotherapeuten mit Potenzial für die Zukunft

Zeit investieren, um Prozesse zu optimieren

Prof. Dr. Christian Grüneberg stellte auf der MEDICA das Umfrage-Ergebnis der hsg, Hochschule für Gesundheit in Bochum zur Verwendung von Assessments und ihrer digitalen Anwendung vor

Vom November 2014 bis zum Februar 2015 erhob die hsg eine Umfrage per online-Fragebogen unter Physiotherapeuten, wie sie Assessments im Praxisalltag anwenden. Es schloss sich die Frage an, ob eine Softwarelösung die Verwendung von Assessments nachhaltig fördern und erleichtern könnte. Die benannten Förderfaktoren und Barrieren, die von den 595 Teilnehmerinnen aufgezählt wurden, flossen in eine App-Lösung ein, die erstmals auf der MEDICA der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Thera-Biz sprach mit dem Projektleiter der Studien, Prof. Dr. Christian Grüneberg, Leiter des Studienbereichs Physioherapie und Dekan Department für Angewandte Gesundheitswissenschaften.

Thera-Biz: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine App für Assessments mit einem Software-Haus gemeinsam zu entwickeln?

Prof. Dr. Christian Grüneberg: In der Hochschule haben wir uns schon lange mit Assessments beschäftigt, wobei wir nicht die Einzigen sind. Viele in der Physiotherapie fragen sich, wie die Wirksamkeit einer Therapie darstellbar ist und welche Rolle da entsprechende Assessments spielen können. Letztendlich haben wir uns dann die Frage gestellt, welche Förderfaktoren und Barrieren existieren, um bereits existierende Assessments einzusetzen oder auch nicht.

Erfahrungsgemäß war es eine Frage des Zugangs und der Zeit. Daraus entsprang die Idee, neue App- Technologien einzubeziehen. Wir haben uns dann auf die Suche nach Partnern begeben und sind mit opta data schnell fündig geworden. Dann wurde der Gedanke gemeinsam weiterentwickelt.

Gab es eine Initialzündung?

Ja, da wir die Entwicklung im internationalen Bereich beobachteten, beispielsweise die Niederländer. Für uns war klar, es muss einfacher, schneller und stärker auf den deutschen Markt zugespitzt werden. Hinzu kam die Investitionsbereitschaft vonseiten des Kooperationspartners.

Und dann ging es schnell ...

... weil ich mich mit den ganzen elektronischen Systemen sicherlich schon seit 2006/2007 beschäftige. Die Assessment- Umfrage war in erster Linie auch darauf gerichtet zu erfragen, wo überhaupt die Förderfaktoren und Barrieren liegen.

Gab es Antworten, die Sie überrascht haben?

Nun gut, ich sag mal so, zunächst einmal fand ich die Resonanz, überhaupt elektronisch etwas verwenden zu wollen, positiv. Das hat mich sehr gefreut, weil ich eigentlich erwartet hätte, dass es da noch eine größere Distanz und Bedenken gibt. Auf die Frage, welche Assessments verwendet werden, da hätte ich mir ein breiteres Spektrum in der Masse gewünscht. Das ist sicher ein Punkt, der überraschend war. Und dann fragten wir nach den Förderfaktoren und Barrieren einer computergestützten Dokumentation. Und: Der Zeitfaktor wird beides Mal genannt. Das ist einerseits ein Argument dafür und andererseits auch dagegen. Das hat mich nicht überrascht! Es bestätigt, dass die Chance gesehen wird. Die mögliche Zeitersparnis wird erkannt, aber gleichzeitig kostet es auch mehr Zeit.

 Gerade die erste Anwendung fordert erst einmal einen Mehraufwand an Zeit ...

... ein klassisches Beispiel, das mir mal mein ehemaliger Biomechanik- Professor erzählt hat: Es gab die Entwicklung von sogenannten Klappschlittschuhen. D.h. die Ferse löste sich von der Kufe und man hatte berechnet, dass man dadurch wesentlich schneller Eisschnelllaufen konnte. Die Sportler legten jedoch die Kufen sofort weg, weil es einer ganz anderen Technik bedurfte. Man musste erst einmal Zeit investieren und Vertrauen dafür gewinnen, dass das der richtige Weg ist. Wenn das Vertrauen dann da ist, muss man die Zeit haben, es auch umzusetzen, weil man dann erst wieder schneller laufen kann, im wahrsten Sinne des Wortes. Und so war es hier auch. Man hat schon in den 70er-Jahren vorhergesagt, dass mit so einem Klappschlittschuh die Geschwindigkeit höher wird. Aber die Sportler haben es zuerst nicht akzeptiert, weil sie anfangs dadurch langsamer geworden sind. Dann aber, im weiteren Verlauf, konnten sie die Runden wesentlich schneller laufen. Später in Nagano 1998 da purzelten dann nur so die Rekorde.

Das ist für mich nach wie vor das lehrhafteste Beispiel dafür, dass man – obwohl man eine gute Grundlage geschaffen hat – nicht sofort erwarten kann, dass die Prozesse wesentlich schneller werden, sondern man muss Zeit investieren, um die Prozesse zu optimieren. Und wenn ich diese Zeit nicht habe, dann ist das schon sehr schwierig.

Gerade bei den Physiotherapeuten, deren Behandlungszeit sehr getaktet ist!

Genau das ist der Punkt.

Sehen Sie die Möglichkeit, dass die entwickelte App auch in der breiten Masse unter den Physiotherapeuten Verwendung findet?

Unser Wunsch im hsg-Entwicklerteam mit meinen Kolleginnen, den ehemaligen hsg-Absolventinnen Frau Rieckmann und Frau Weber ist es natürlich, mit so einem Tool eine Assistenz zu generieren. Diese soll den Therapeutinnen und Therapeuten ermöglichen, quasi en passant während der Anamnese, Untersuchung und Behandlung schnell und einfach auf entsprechende Dokumente und Verfahren zugreifen zu können. Das System muss so nutzbar sein, dass kaum eine Nachdokumentation abends oder am Ende des Tages mehr notwendig ist. Das ist unser Ziel, da müssen wir hin.

Ein klares Ziel. Wird der Weg am Anfang beschwerlich sein?

Der Weg wird kein leichter sein.

Hat Sie die Umfrage noch auf weitere Ideen gebracht?

Na ja, die nächste Idee, wenn wir das mal so weit auf den Weg gebracht haben, ist natürlich die Interprofessionalität und auch ein Patienten-Edukationssystem. Also den Patienten noch stärker mit einzubeziehen. Eigentlich den Patienten als Eigentümer seiner eigenen Akte zu generieren. Dass verschiedene Professionen darauf zugreifen, das wären so Ideen, die uns noch weiter umtreiben. 

Stichwort Patientenedukation.

Ja, dass der Patient selbst einen Zugang hat und Informationen nachlesen kann. Hat er zum Beispiel die Diagnose Arthrose, kann er selbst in einem Expertensystem recherchieren und nachlesen, was das bedeutet, welche konkreten Handlungsempfehlungen daraus resultieren. Oder im Rahmen eines Forums mit anderen Patienten kommunizieren.

Welche Ideen tatsächlich gut umsetzbar sind, wird man sehen. Die Notwendigkeit, in diese Richtung zu denken, ist auf jeden Fall der richtige Weg. Die Umsetzbarkeit und der Mehrwert wird zusammen im Entwickler-Team hsg und opta data sowie mit den Therapeutinnen und Therapeuten sowie Patienten und Patientinnen gemeinsam evaluiert werden. Rechtsgrundlagen zur verbindlicheren Dokumentation sind schon lange vorhanden. Der Faktor Zeit wird eine wichtige Rolle in der Umsetzung spielen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Reinhild Karasek.



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