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Reha-Sport
Welche Vorteile liegen für Physiotherapeuten in diesem Angebot?

Reha-Sport

Hartwig Stedefeder, frisch gebackener Bachelor of Science in Gesundheitsmanagement, gründete 1998 die Praxis plexus Physiotherapie und Prävention in Oelde. Die Stadt liegt in Ost-Westfalen-Lippe und zählt ca. 30.000 Einwohner. In diesem Umfeld bietet der Physiotherapeut seit 2009 in seiner Gesundheitseinrichtung Reha-Sport an. Trotz aller Kritik ist er zufrieden. THERA-BIZ sprach mit ihm

THERA-BIZ: Herr Stedefeder, aus  welchen Gründen haben Sie sich für Reha-Sport entschieden?

Hartwig Stedefeder: Die Patienten kamen zu uns und fragten nach dem Angebot. Wir haben in unserer Praxis 450 Quadratmeter mit einer integrierten Trainingstherapiefläche von 120 Quadratmetern. Seit 2001 ermöglichen wir es unseren Patienten, auf der Trainingsfläche unter Anleitung selbstständig an ihren Defiziten zu arbeiten. Mit sieben Therapeuten und einem Sportlehrer bieten wir gerätegestütztes Training sowie KGG an.

Bevor ich mich in Oelde mit der Praxis selbstständig machte, leitete ich im Landshuter Raum eine ambulante Rehabilitation. Für mich ist Krankengymnastik ohne die Möglichkeit zum Training keine vollständige Therapie. Anfangs baten wir noch die Patienten, die mit einem Reha-Sport-Rezept kamen, sie sollten sich vom Arzt doch KGG verschreiben lassen.

Doch die Patientenanfragen wurden immer mehr. Der Druck wuchs auch deshalb, weil eine Kollegin mit einer Praxis in vergleichbarer Größe auf einmal Reha-Sport in ihr Angebot integrierte. Schließlich fing ich an, mich schlau zu machen. Das war 2007. 

Aber es war noch ein langer Weg bis zum ersten Kursangebot?

Ja, das war damals mit viel Aufwand verbunden: Sie mussten einen Verein gründen, um Reha-Sport-Gruppen und  Funktionstraining anbieten zu können. Also habe ich mich mit der Vereinsgründung auseinandergesetzt und kam auf RehaVitalisPlus e.V. Anfangs 2009 hatten wir die ersten Reha-Sport-Kurse.

Worin liegen die Vorteile des Vereins?

Das Konzept hat uns gut gefallen. Der Verein übernimmt die Administration und erledigt alle Formalitäten. Wir mussten nur eine Qualifikation ablegen. Wenn wir eine Reha-Sport-Gruppe beim Behinderten-Sportbund zertifizieren lassen wollen, kein Problem  – auch das läuft über den Verein.

Je nach Aufwand und Anzahl der zu zertifizierenden Kurse fallen Kosten an. Zudem rechnen wir die gehaltenen Kurse quartalsweise mit dem Verein ab, die rechnen mit den Krankenkassen ab und behalten dafür 20 Prozent des Rechnungsbetrages ein. Dafür mussten wir selbst keinen Verein gründen und unser bürokratischer Aufwand ist minimal. Ein Vorteil ist auch das Netzwerk des Vereins. Beispielsweise hat er durchsetzen können, dass beim Reha-Sport-Kurs der Patient per Unterschriften-Pad unterzeichnen darf. In der Einzeltherapie geht das immer noch nicht. Das haben wir dem Verein und seinem Netzwerk mit mittlerweile 400 Trainingsstätten zu verdanken.

Sie sprechen von Qualifikationen, die Sie benötigten. Welche?

Wir sind alle sehr gut ausgebildet. Ich selbst bin Physiotherapeut mit der Ausbildung KG am Gerät, EAP-Qualifikation für die ambulante Therapie und Rückenschullehrer-Zertifikat. Zudem hatten wir im Team einen Diplom-Sportlehrer mit dem Lehrgang Gesundheitssport der Uni Köln. Im Team sind alle anderen Physiotherapeuten mit KGG-Ausbildung und vier davon mit Rückenschullehrer-Qualifikation. Jetzt sollten wir noch eine Übungsleiter-Lizenz für den Reha-Sport absolvieren! 

Das kann es doch nicht sein, dachten wir uns! Wir sind Therapeuten mit einer dreijährigen Ausbildung und trotzdem müssen wir die Qualifikation beim Behindertensport machen? Es ist allerdings notwendig, um die Zulassung zu bekommen. Drei von uns legten dann die Lizenz zum Fach-Übungsleiter beim Behinderten-Sportbund ab und alle haben dem nichts Positives abgewinnen können. Das war eigentlich lächerlich.

Die medizinische Komponente war gar nicht ausreichend. Durch die therapeutische Ausbildung sind wir um ein Vielfaches besser qualifiziert. Es ist eine Formalität ohne Sinn! Heute zahlen die Mitarbeiter 500 bis 600 Euro, damals kostete das 300 Euro. Der Behinderten-Sportbund hat erkannt, dass damit Geld zu verdienen ist. Und dann muss alle zwei Jahre noch die Re-Zertifizierung erfolgen.

Sie stehen dem sehr kritisch gegenüber. Weshalb haben Sie weiter gemacht?

Tja, ich fand das alles unnütz, aber ich musste ja meine Patienten zufrieden  stellen. Der Wettbewerb drängte mich auch dazu, deshalb haben wir uns also damit arrangiert und in diesen sauren Apfel gebissen. Wir mussten uns anpassen. Die Nachfrage war da. Die Patienten kamen schließlich zu uns, weil wir Therapeuten sind.

Dem Arzt war das ganz recht, denn er war den Patienten los und belastete mit Krankengymnastik-Verordnung nicht mehr sein Budget. Für mich hatte das zwar einen bitteren Nachgeschmack, zumal der klassische Reha-Sport mit 30 bis 45 Minuten Sport in einer heterogenen Gruppe nicht zielführend sein kann. Nicht nach unserer Vorstellung einer rehabilitativen Therapie.

Und wie sieht Ihre Vorstellung aus?

Wir haben therapeutische Ziele: die Reha-Sportler schmerzfrei machen, die Teilhabe, die Partizipation am Leben nach ICF verbessern, das Bewegungsmaß optimieren. Wir wollen die Belastbarkeit der Teilnehmer steigern. Wir betreuen die Leute individuell.

Entsprechend ist auch die Erwartung unserer Patienten. Wir nehmen sie in die Pflicht. Es gibt einige, die machen zuerst eine dreiviertel Stunde Reha-Sport und trainieren dann anschließend eine dreiviertel Stunde. Für die Trainingsstunde unterzeichneten sie einen Vertrag mit uns, der Beitrag kostet 29 Euro im Monat. Die meisten wollen auch ein gezieltes Training haben.

Sie fragen selbst aktiv an der Rezeption danach. Sie erhalten auf ihre Defizite abgestimmt einen erweiterten Trainingsplan mit individuellen Übungen, Gerätetraining eingeschlossen. Das sind zwei bis drei Übungen am Gerät und dann noch acht Übungen, die sie auch später zu Hause machen sollten. 80 Prozent der Kunden wünschen das auch so. Sie wollen individuell an sich arbeiten. Sie kommen zu uns, weil sie mit der therapeutischen Komponente verhaftet sind. Vor allem die, die zuerst bei uns in der Einzeltherapie waren. Die sprechen den Arzt auf Reha-Sport an. Und danach überführen wir diese Teilnehmer in das Gerätetraining im Selbstzahlerbereich.

Das ist unsere Art der Akquise: erst Einzeltherapie, dann Reha, schließlich Überführung ins Gerätetraining im Selbstzahlerbereich. Kommt ein Reha-Sportler nicht aus der eigenen Therapie, müssen wir ihn in der ersten Übungseinheit erst einmal einschätzen. Nach der Funktionsdiagnostik bestimmen wir gemeinsam mit dem Kunden die Ziele der Therapie und erläutern ihm, was für ihn medizinisch empfehlenswert ist.

Wie hat sich das Reha-Sport-Angebot bei Ihnen in der Praxis entwickelt?

Wir sind ständig in Kommunikation mit den Ärzten und erhielten rasch Verordnungen, vor allem im orthopädischen Bereich. Innerhalb von vier Wochen hatten wir 50-60 Reha-Sport-Gruppen-Teilnehmer. Pro Monat wuchsen wir um weitere 10 bis 15. Monatsweise stockten wir auf, ließen schnell weitere Kurse zertifizieren, um den Bedarf zu decken. In unserem Konzept nehmen wir maximal 12 Teilnehmer pro Kurs auf. Für uns hat die therapeutische Komponente eine große Bedeutung. Unsere Kapazitätsgrenze erreichten wir 2013 und jetzt liegen wir bei 280 bis 300 Reha-Sportler im Monat. Das ist unser Maximum. Ich will nicht weiter expandieren. Wir sind ausgelastet.

Wie funktioniert es, die Reha-Sport-Teilnehmer in den Selbstzahlerbereich zu überführen?

Die Betreuung spielt eine Rolle. Im Verein würden sie nur Übungen machen. Hier trainieren sie in Abstimmung mit dem Therapeuten, der ihnen sagt, wie viel gut ist, was angemessen ist. Dafür sind die Gruppen-Teilnehmer dann auch bereit, die zusätzliche begleitende Verpflichtung einzugehen. Bevor das Rezept über 50 Übungseinheiten ausläuft, kommen die meisten von sich aus auf uns zu und sagen, dass sie weiterhin trainieren wollen, um an ihren Defiziten zu arbeiten. Als erste Komponente schlagen wir vor, dass der Patient den Arzt nochmals auf eine Verordnung anspricht. Wenn das nicht geht, können Sie bei uns im Selbstzahlerbereich trainieren. Sie schließen dann mit uns einen Vertrag ab, zahlen monatlich 42 Euro und gehen die Verpflichtung ein, zu einem vorgegebenen Termin ein- bis zweimal in der Woche zu trainieren. Oder sie kaufen sich eine 10er-Karte für 85 Euro. 

Wie viele transferieren Sie so von der Reha-Sportgruppe in den Selbstzahlerbereich? 

Aktuell sind das 86 Prozent.

Rechnet sich denn der Reha-Sport auch ohne Überführung in den Selbstzahlerbereich?

Ganz klar: Nein. Pro Teilnehmer erhalten wir von der Krankenkasse knappe 5 Euro. Damit verdienen wir nicht viel Geld. Dann bezahlen wir für die Abrechnung den Verein, dem wir angehören, so kommen wir vielleicht auf 4,20 Euro brutto pro Reha-Sportler. Aber wir schaffen uns damit eine Klientel für den Selbstzahlerbereich. Die Patienten bei uns lernen, dass der Reha-Sport mit einer dreiviertel Stunde nicht ausreicht und sie nicht weiterbringt.

Erst mit dem Transfer in den Selbstzahlerbereich haben der Patient sowie die Praxis etwas davon. Die Reha allein rechnet sich nicht, aber als Erweiterung des Angebotes, als Transfer, d.h. Überführung in den Selbstzahlerbereich. Der Reha-Sport dient auch als Alleinstellungsmerkmal einer ordentlichen therapeutischen Einrichtung und erlaubt es uns, dass wir uns freier im Gesundheitsmarkt bewegen. Das eröffnet uns als Praxis noch andere Möglichkeiten und lässt uns unabhängiger werden.

Welchen Stellenwert hat der Reha-Sport im Unternehmen?

Vorab muss ich erläutern, dass unsere Praxis aus zwei Unternehmen besteht, aufgeteilt in den Heilmittelbereich und die Gesundheitseinrichtung mit Präventionsleistungen, Kursen und dem erweiterten Angeboten aus dem Reha-Sport. Das Erweiterungsangebot mit 29 Euro monatlich macht heute ca. 18 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Auf diese stabile Säule meines Unternehmens kann ich heute bauen.

Noch ein Tipp für andere Therapeuten am Schluss: Reha-Sport ist eine therapeutische Verordnung, weshalb sie nicht umsatzsteuerpflichtig ist. Ich rate jedem, das zuvor mit dem Finanzamt abzuklären. Danke für das Gespräch.

Das Interview führte Reinhild Karasek



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